Big Data mit Lochkarten

„Herman Hollerith schloss sein Studium der Ingenieurwissenschaften an der Columbia University im Alter von 19 Jahren ab und ging als Statistiker zum US-amerikanischen Volkszählungsamt, um die Bevölkerung im Rahmen der Volkszählung 1880 erfassen zu helfen. Die rasch wachsende Bevölkerung des Landes zu zählen und nach Alter, Geschlecht, Rasse und anderen Faktoren zu unterscheiden, war eine frustrierend langsame und kostspielige Aufgabe.
[…] Hollerith wusste sowohl von [Charles] Babbage als auch von [Joseph Marie] Jacquard [Steuerkarte für Webstühle]. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Pianolas populär, die Musik mit Hilfe von Lochmustern spielten …
In Holleriths Konzeption enthielt jede Karte, auf einer Größe von 7 mal 17 cm, die Daten einer Person. Ein Mitarbeiter las die Zensusrollen und stanzte die Angaben der Person in die entsprechende Stelle auf der Karte. Dabei entsprach jedes Loch einer Information, wie dem Alter, dem Familienstand oder dem Einkommen. Der Bediener der Maschine legte die Karte dann in eine Presse ein, die mit der Tabelliermaschine verbunden war, und schloss die Abdeckung. Die Nadeln, die die Löcher abtasteten, berührten zum Teil mit Quecksilber gefüllte Vertiefungen und schlossen dabei einen Stromkreis. Auf diesem Wege wurden elektrische Impulse an die uhrenähnlichen Zählvorrichtungen auf der Maschine übertragen. Wie viele ledige Frauen lebten 1890 in Dover, Delaware? Man legte einen Stapel mit den Karten der Einwohner von Dover in den Hollerith-Kartenleser und die Ergebnisse wurden auf der Zähltafel ausgegeben.“ (aus: „Im Dienst der Welt“, IBM-Pressbooks.com, 2011, S. 23 – 26)

„Über 60 Jahre setzten Unternehmen und Behörden auf Lochkarten, um Informationen zu speichern und wieder abzurufen. […]
Herman Hollerith machte aus gelochten Karten Datenspeichereinheiten […] Ein Loch an einer bestimmten Stelle bedeutete dunkle Haare, an einer anderen männlich oder weiblich. Hollerith stellte fest, dass er auf diese Weise von jedem US-Bürger eine passende >Loch-Fotografie< anfertigen konnte.
[…] Die Karten entwickelten sich weiter und konnten immer mehr Informationen erfassen. Die ersten Versionen hatten 45 Spalten. IBM gelang 1928 ein Durchbruch und es entstanden Karten mit 80 Spalten. Remington Rand konterte mit einer 90-Spalten-Karte […]. Die 90-Spalten-Karte konnte zwar mehr Daten speichern, war aber nicht so einfach zu handhaben wie die 80-Spalten-Karte von IBM.
Immer mehr Behörden stiegen von Akten und handgeschriebenen Büchern auf Lochkarten um. Die Bahnunternehmen waren unter den Ersten, die Informationen zu Wagen, Fracht und Fahrgästen automatisierten. Auch Einzelhändler, wie Marshall Field’s, stellten ihre Lagerbestandshaltung auf das Kartensystem um. Als die US-Regierung die Sozialversicherung einführte, wurden die Karten zum Finanzspeicher des Landes, der alle Lohninformationen der Arbeiter enthielt. Ende der 1930er Jahre hatten sich die Lochkartenmaschinen europaweit ausgebreitet […] 1937 hatte IBM 32 Pressen in Endicott, New York, die zwischen fünf und zehn Millionen Lochkarten täglich druckten, schnitten und stapelten. Die Karten machten in den 1950ern zwei Drittel des Umsatzes von IBM aus.“ (aus: „Im Dienst der Welt“, IBM-Pressbooks.com, 2011, S. 39, 40)

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Lochkarte (Bookattack Collection).
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Lochkarte („Artikel-Stammkarte“) von IBM (Bookattack Collection).