Die brennende Kugel – Extras

Credits

Rollen und Sprecherinnen:

Kristina Haybach … Bea Dietz
Robert Ellsberg … Ralf-Dieter Dlubatz
Max Kober … Torstn Kauke
Erzähler … Günter Sahler

Text:
Günter Sahler

Musik:
Hans Castrup (Ausschnitte aus „Amber Part 1“ bei „Die große Flut“)
weitere Sounds von Günter Sahler.

Hörspiel-Skript:
Günter Sahler plus Ideen und Korrekturen von Hans Castrup.

Grafik, Video und Field Recordings:
Günter Sahler

Links zu Seiten der Beteiligten:

Bea Dietz
soundcloud.com/bea-dietz

Poison Dwarfs, Band von Hans Castrup und Ralf-Dieter Dlubatz
poisondwarfs.bandcamp.com/

t.b. OR NOT t.b., Band von Bea Dietz und Torstn Kauke
tbornottb.bandcamp.com/

Torstn Kauke
torstnkauke.bandcamp.com/
soundcloud.com/torstn_kauke


Ekstase?
Hatte ich mir ganz anders vorgestellt.

Kristina Haybach und Max Kober treffen in der Höhle aufeinander. Durch den Tanz und die Dämpfe von Corvfarin („Atme es tief ein“) befinden sich beide in Ekstase. Bei der Definition von Ekstase bezog ich mich auf alte Quellen.

KRISTINA HAYBACH: Wir sind in Ekstase.
MAX KOBER: Ekstase? Hatte ich mir ganz anders vorgestellt.
KRISTINA HAYBACH: Durch den Tanz und die Dämpfe der Corvfarin-Tabletten haben wir diesen Zustand erreicht. Das ist unsere Energie. Unsere Körper sind in der Höhle, während unser Selbst, also unsere Seelen vom Körper losgetrennt sind. Hier dieser Raum ist nur eine Illusion. Das alles ist eine spezielle Technik, die Carl entwickelt hat.

P.J.B. Scaramelli schrieb 1861:

„Einige Philosophen sagen, die Ekstase geschehe dadurch, daß sich die Seele von dem Körper lostrenne, in den sie nachher wieder zurückkehrt. Ob aber die Seele in der Ekstase wirklich den Körper verlasse, ja auch verlassen könne, ist noch nicht entschieden.“ (Scaramelli, 1861, S. 258)

„In der Ekstase verliert man den Gebrauch der äußeren Sinne, so daß man nichts mehr sieht, nichts mehr hört und sogar weder Schläge noch Verletzungen fühlt.“ (ebd., S. 257)

„Der Teufel bewirkt Ekstase dadurch, daß er die Sinne bindet und den Lebensgeistern den Weg absperrt, daß sie sich nicht in die äußeren Sinne ergießen.“ (ebd., S. 259)
Quelle: „Die Unterscheidung der Geister zu eigener und fremder Seelenleitung – Ein Handbuch für alle Seelenführer“ von P.J.B. Scaramelli, 1861.

Joh. Christoph Hoffbauer schrieb 1807:

„… in der Ekstase der Körper mehr todt als lebendig ist …“ (Joh. Christoph Hoffbauer, Prof. zu Halle, in: „Psychologische Untersuchungen über den Wahnsinn die übrigen Arten der Verrückung und die Behandlung derselben“, 1807)

In Abschnitt 1 der Geschichte „Die brennende Kugel“ wird beschrieben, wie ein Mensch mit Corvfarin-Dämpfen in Ekstase versetzt wird:

… eine Kugel aus Metall,
an der sich nun kleine Klappen öffnen. –
Im Innern der Kugel wütet ein Feuer. –
Dämpfe gelangen in deine Nase.

Irgendetwas umschlingt deine Arme. –
Alles wird enger, so dass du bewegungslos erstarrst. –
Alle Lebensgeister in dir ist der Weg versperrt. –
Deine Sinne sind gebunden.

Dann gelangt der Mensch in eine andere Welt. Sein Körper steht weiterhin auf der Treppe, seine Seele kommt nun in einen Wald:

Das Licht deiner Lampe erlischt. –
Wald umgibt dich. –
Äste und Blätter werden dichter. –
Um dich herum schwirren Insekten, stechen und beißen dich.

Zwischen dem Grün steht ein Mensch. –
Du spürst seine Nähe. –
Er berührt dein Gesicht. –
Sein fauliger Atem erreicht deine Nase. –
Seine Worte erreichen dein Ohr.


Hans Castrup „Amber Part 1“

Noch bevor die erste Version des Skripts geschrieben war, hatte ich schon bei Hans Castrup nachgefragt, ob ich für eine Geschichte Musik von ihm verwenden könnte. Es ging konkret um „Amber Part 1“. Hans schlug vor, wir könnten seine Musik für ein Hörspiel benutzen.

In der Geschichte werden Ausschnitte aus „Amber Part 1“ verwendet. Hier nun das komplette Stück (Die Amber-Aufnahmen können Sie hier bei Bandcamp komplett hören):

Track 1 of the digital 6-track album „AMBER“. Released on Bandcamp Sept. 2016


Kurzbiografien:

Robert Ellsberg, geboren … in Osnabrück. New Yorker Industrieller. Befreundet mit Carl Feinhals. verheiratet mit Dorothy McCorley (ihr Vater gründete MC Aero Technologies Corporation 1902 als McCorley Standard). Wichtiges Mitglied bei der Vereinigung Erste Ebene.

Carl Feinhals, geboren 1872 in Louisiana, USA. Seine Eltern, Johann Feinhals und Getrud Feinhals, sind aus Deutschland eingewandert. Gründer der „Visions For A Better Society“.

Engelbert Feinhals, geboren 1899 in Baton Rouge, USA. Eltern: Carl Feinhals Verlobt mit Kristina Haybach. Er war Ingenieur. Stirbt 1927 als die Männer von Robert Ellsberg die Hütte von Carl Feinhals überfallen.

Kristina Haybach, geboren 1905. Schamanin und spirituelle Führerin der „Visions For A Better Society“.

Johann Hünighusen, Vater von Paul und Gesa sowie Stiefvater von Thomas Hünnighusen.

Paul Hünighusen, geb. im August 1915 in Lindlar. Eltern: Johann Hünnighausen (*1883 – ) & Susanne Fischer (*1883 -). Paul ist mit Max Kober aufgewachsen. Paul bewohnte das alte Haus der Familie in Lindlar.  Er war Polizist in Wuppertal und Köln. Gestorben: 2005

Thomas Hünighusen, geb. als Thomas Niess im Mai 1906 in Lindlar. Verheiratet mit Maisey Stevens (*1911), seit 1932, Kinder: Scott Allen (1933), Megan (1936). Gestorben im 1949 in Morrisonville (Louisiana, USA).

Edmund Mertzbach, geb. 1862 in Essen. Naturforscher. Verheiratet mit Irene Fromm, seit 1913. Aufgewachsen in Mülheim/Rhein. Er war von 1890 bis 1910 Naturforscher in Südamerika. Befreundet mit Carl Feinhals. Schwere Fußverletzung 1910. Wohnt dann wieder in Mülheim und war dort als Küster der Schifferkirche tätig. Wohnte ab 1923 in Lindlar. Er gab Thomas Hünnighausen den Auftrag ein Päckchen zu Carl Feinhals in Louisiana zu bringen. Wird 1926 des Kindesmordes verdächtigt und verhaftet. Es gibt ein Protokoll seiner Vernehmung durch Frieda Gehren, welche unter Hypnose durchgeführt wurde, er spricht dort auch von der „Flamme“.

Ida Tiemann, geboren 1914 in Lindlar. Nachbarkind, Spielkameradin von Paul Hünnighausen und Max Kober. Sie stirbt 1926. Johann Hünninghausen versenkt ihre Leiche im Mühlenteich und lenkt den Verdacht auf Edmund Mertzbach.

Dr. Max Kober, geboren 1915 in Jülich. Ausbildung an der School of Pharmacy und Chemiestudium in Liverpool. Mitglied der Royal Pharmaceutical Society und Honorardozent an der School of Pharmacy. Entwickelte das Medikament Corvfiran für britischen Pharmaunternehmen Clough & Hanley. Verheiratet mit: Marianne Dorn, Kinder: Hennriette (*1947), Walter (*1950), Sarah (*1953) Eltern: Herbert Kober (Apotheker in Lindlar) und Trude Wolf, Geschwister: Berta (*1912).

Walter Niess, geboren im September 1905 in Lindlar. Er reist mit Thomas Hünnighausen 1927 in die USA. Treffen dort auf Empfehlung von Edmund Mertzbach auf Carl und Engelbert Feinhals sowie Kristina Haybach. Walter Niess einen Teil der die Forschungsarbeiten („Flamme“) an sich. In den 1930er Jahren entwickelt Niess Corvfarin , welches angeblich bei der Wehrmacht in Osteuropa getestet wurde. 1944 wurde er als vermisst gemeldet.

Johannes Nikolaus Gierlich, Wundarzt

Matthias Kierdorf, Bachelor in Informatik, Masterstudent in Game Design

Heinrich Gustav von Hipel, Besitzer der Burg Hipelhoven bei Lindlar. Autor der Sage „Die brennende Kugel“. Versteckte die Kugel aus Metall mit der Flamme in der Kirche. Starb 1795.

Hartrad Böhm-Winter, Autor von Abenteuergeschichten und Kunsthändler.

Noa Sophie Kober, wurde 1968 in Düsseldorf geboren. Wirkte in den frühen 80ern bei Punk-Wave-Bands DEUTSCHE PROTESTGEWERKSCHAFT und AUSSPERRUNG. Lebte mit ihren Eltern für einige Jahre in England und machte dort ihr Noiseprojekt SALZ II. Heute arbeitet sie als Buchrestauratorin. Sie ist eine Enkelin von Max Kober.

Elisa Bernat-Gray, Psychoanalytikerin

Fut-vo-ye, Feuergott

Die Kugel aus Metall

Die magische Kugel aus Metall wird 1784 vom „Fremden“ (Matthias Kierdorff) nach Lindlar gebracht. Kierdorff nutzt für seine Kugel die Flamme, die er in Cornwall von Tom Waterhouse bekam. Auf dem Weg nach Lindlar wird Kierdorff angeschossen. Im Dorf will ihm der Wundarzt Johannes Nikolaus Gierlich helfen. Als die Operation misslingt, verschwindet der Fremde „auf die andere Seite der Zeit“. Die Kugel bleibt zurück. Letztendlich gelangt sie zu Heinrich Gustav von Hipel, der sie im Kirchturm versteckt. Dort wird sie von Thomas Hünighusen 1926 herausgeholt. Dann besitzt sie Kristina Haybach.

„In einem fremden Körper, auf der anderen Seite der Zeit“

Die Gruppe um Robert Ellsberg hält diesen Satz für ganz wichtig (Ellsberg zu Haybach: „Ich habe diese Sage sehr genau studiert. Der Satz ‚Als sich der Fremde und der Wundarzt auf der anderen Seite der Zeit wiedertrafen‘ ist ganz entscheidend.“). Allerdings haben sie nicht alles verstanden. Durch die Flamme (bzw. Corvfarin, Corvfiran, Fireballs) kommt man in Ekstase, damit auf „die andere Seite der Zeit“. Während der Starre erlebt die Seele lange Zeitabschnitte auf “ der anderen Seite der Zeit“ und in „einem fremden Körper“.
Von Matthias Kierdorff wissen wir, das er mit der Kugel und der Flamme in jedes beliebige Buch kommt, er kommt somit auf die „andere Seite der Zeit“. Die Leute um Mertzbach, Feinhals & Co. leben in einem der Bücher („Der Mann der nicht verbrennt“), in die Kierdorff eingestiegen ist. Sie haben herausgefunden, dass sie mit der Kugel und der Flamme in einer andere Welt kommen. Das sie in andere Buchwelten können, haben sie noch nicht entdeckt.
Kierdorff und der Wundarzt Gierlich treffen sich durch Vermittlung der Psychoanalytikerin Elisa Bernat-Gray wieder und steigen dann wieder in das Buch „Der Mann der nicht verbrennt“ ein. Wieder ins Jahr 1784, also über 100 Jahre vor der Mertzbach, Feinhals & Co.-Geschichte. Die Sage „Die brennende Kugel“ ist also noch gar nicht geschrieben. Erst als Kierdorff und Gierlich den Brand in der Gasse verursachen, können sie „fliehen und sollen gen Holland gegangen“. Erst jetzt hat Heinrich Gustav von Hipel die Kugel, die er später in der Kirche versteckt.

Von der Flamme zu den Fireballs

Die Flamme stammt von der unsterblichen Seele des Fut-vo-ye. Matthias Kierdorff baut um die Flamme die besondere Kugel aus Metall. Flamme und Kugel gelangen über Thomas Hünighusen zu Carl Feinhals. Walter Niess produziert bei Vogel & Niess in Elberfeld „Corvfarin“.  Darauf aufbauend erzeugt später Max Kober bei Clough & Hanley in Liverpool „Corvfiran“. Das Medikament wird von den Hippies als „Fireballs“ mißbracht.