„Immer an der Wand lang“ (1907)

dan76z
Postkarte um 1910 mit Text von Hermann Frey.

Das Couplet von Hermann Frey (1876 – 1950) „Immer an der Wand lang“ (1907) war ein Welthit. Ein Betrunkener torkelt mit seiner Begleitung immer an der Wand lang heimwärts. Die Männer alle im Frack und mit Zylinder. Die Frauen in Kleidern, wie man sie auch von den Fotos aus den Fotoateliers kennt: bodenlang, dazu Hüte mit Seidenblumen und hohe Stegkrägen.
Im Bildhintergrund sieht man vier Soldaten, die zum Alltagsbild gehörten.

Einer der Herren (oder alle drei) sieht sich als „dolle Bolle“, wo dann für mich auch die Zeile „aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert“ aus dem bekannten Berliner Volkslied mitschwingt. Wobei dieser Bolle für einen „amüsierfreudigen Mann“ steht, dem es egal ist, wenn seine Olle wegen seiner nächtlichen Eskapaden und Zechereien schimpft. Egal, immer an der Wand lang, findet er trotz der wackeligen Beine schon den Weg nach Hause, egal was ihn dort erwartet. Man hört ihn schon seine Olle mit „Reg dich nich uff, Olleken. Ick wa nur mit der Kleenen ausm Büro eenen picheln“ beschwichtigen.

Ein Bolle kam bereits im 19. Jahrhundert in den politischen Bierstubengesprächen „Unter den Tulpen“ im Satiremagazin „Kladderadatsch“ vor. Auch schon vor Carl Bolle (ab 1879), der einer Meierei in Berlin hatte und oft mit dem Bolle-Lied in Verbindung gebracht wird.