Tod in der Flora

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Einweihung des Glaspalastes in der Kölner Flora am 14. August 1864.
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Das Establishment gab sich bei der Einweihung des Glaspalastes in der Kölner Flora am 14. August 1864 die Ehre.

Personen:

Clara und Friedrich Rhodius, wollen sich von Peter Hünighusen in der Flora fotografieren lassen.

Eduard Bredt, ein Unternehmer, besitzt Baumwollspinnereien, Leinenhäuser und Färbereien. Er wird Tod in der Flora gefunden.

Zeit:

1872

Ort:

Kölner Flora, bei Riehl. Im sogenannten Friedensgarten (fertig gestellt nach der Friedensschließung des Deutsch-französischen Krieges 1871) mit von Kaiserin Augusta geschenkten Augusts-Vase.

Zur Textilherstellung (Quellen):

Selfaktor

Die Spinnmaschine Selfaktor die sich von 1830 an von England aus durchsetzte, beseitigte endgültig den Garnhunger. Allerdings sorgte sie für Elend der Fabrikarbeiter, der ganz im Gegensatz zu den Erfolgen der Unternehmer stand. Diese Maschinen bestimmten die Garnproduktion in Europa und Amerika bis zu Ende des 19. Jahrhunderts.

Bei diesen selbstlaufenden Maschinen liefen gleichzeitig mehrere hundert Spindeln, die von nur wenigen Arbeitern bedient wurden. Durch dieses geringe Personal und durch die gleichzeitig hohe Anzahl der Spindeln wurden tausende von Handspinnern arbeitslos.

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Bilder aus Baumwollspinnereien.

Baumwollspinnerei in Lindlar-Klespe

Auch im Amt Steinbach, in dem auch Lindlar lag, war die Baumwollspinnerei als Heimarbeit weit verbreitet. Besonders als die Webstühle ihre Produktionsgeschwindigkeit steigern konnten, stieg der Bedarf an Garn in Elberfeld. Dadurch wurden nun auch die weiter entfernten Produktionsstätten mit einbezogen. Während Leinen (Flachs) von den Bauern aus der Umgebung verarbeitet werden konnte, mußte die Baumwolle importiert werden. Im Bergischen war dies meistens indische Baumwolle, die über holländische Seehäfen hierher gelangte. Gesponnen wurde erst ab dem 18. Jahrhundert im Amt Steinbach mit Spinnrädern, zuvor war es hier unbekannt. Der Hofkammerrat Th. J. J. Lenzen schrieb in einem Bericht über das Amt Steinbach: „Die Baumwoll-Spinnerey auf kleinen Rädern [Spinnräder] war vorher sehr beträchtlich, hat aber seit Einführung der Maschinen-Spinnerey merklich abgenommen“. Die Handspinnerei war mittlerweile von größeren Betrieben verdrängt worden, die Spinnmaschinen einsetzten.

In Lindlar-Klespe, nicht weit entfernt vom heutigen Bergischen Freilichtmuseum, hatte die Familie Lob eine Baumwollspinnerei gebaut. Der 1774 geborene Karl Lob wohnte seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Elberfeld. Er sorgte dort für gute Beziehungen, um der Baumwollproduktion seines Vaters Johann Lob in Lindlar zu helfen.

Die Familie Lob nutzte für die Spinnerei eine Stelle am Lennefe Bach bei Klespe. Dort hatte bis 1806 ein Reckhammer (wasserbetriebener Hammer zur Metall- und Eisenverarbeitung) produziert. Schon 1810 stand hier ein neues Gebäude. 1812 waren in der Spinnerei 80 Arbeiter beschäftigt, die „Baumwollen Garn auf englisch Art“ herstellen und dieses nach Elberfeld lieferten. 1828 wurde die Spinnerei an die Firma Zapp und Comp. Aus Elberfeld verpachtet, die u.a. 40 Kinder beschäftigte. Aus Elberfeld wurde die Rohbaumwolle geliefert und das fertige Garn wurde in das Magazin des Eigentümers nach Elberfeld zurück geliefert. Von dort erfolgte dann der Verkauf.

Die Altersstruktur der Spinnerei 1837: 80 Personen, 15 Personen unter 14 Jahren (8 Jungen, 7 Mädchen), 65 Personen über 14 Jahren (40 Männer, 25 Frauen). Allerdings werden nur sieben Personen als Erwachsene bezeichnet.

Zu dieser Zeit wurde die Spinnerei von Johann Wilhelm Oberempt aus Barmen gepachtet. Aber bereits 1840 stellte er den Betrieb ein. Der preußische Staat hatte die gesetzlichen Regelungen zum Einsatz von Kindern und Jugendlichen verschärft („Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Fabriken“, 1839). Für Jugendliche unter 16 Jahren, die noch nicht drei Jahre zur Schule gehen konnten, mußten Fabrikschulen eingerichtet werden. Außerdem wurde die Arbeitszeit für Jugendliche auf auf maximal 10 Stunden begrenzt. Und Kinder unter 10 Jahren durften gar nicht mehr beschäftigt werden. Das Gesetz blieb weitgehend allerdings wirkungslos, da es keine wirksamen Kontrollen gab.

Trotz einer allgemeinen Schulpflicht (ab 1825: Einführung der preußischen Bestimmungen zur allgemeinen Schulpflicht) akzeptierten die Eltern von in der Fabrik arbeitenden Kindern lieber Verwarnungen und kurze Arreststrafen, um nicht auf das Geld, das die Kinder verdienten verzischten zu müssen.

In einem Bericht der Regierung in Düsseldorf hieß es, dass die Zahl der jugendlichen Textilarbeiter im Bezirk bei 3300 liegen würde. Beschäftigt wurden Kinder ab dem sechsten Lebensjahr, in Kreis Geldern arbeiteten so gar schon Vierjährige. Bei der täglich zehnstündigen Arbeit, war auch die Nacharbeit üblich.

„Durch bleiche Gesichter, matte, entzündete Augen, … aufgedunsene Backen, … ekelerregende Hautausschläge und astmatische Anfälle unterscheiden sich diese unglücklichen Geschöpfe, die früh dem Familienleben entfremdet wurden und ihre Jugend in Kummer und Elend verbringen, gesundheitlich von anderen Kindern. Was die sittliche und religiöse sowie geistige Erziehung anbetrifft, so liegen diese sehr im argen, und es müssen unglückliche und verdorbene Menschen aus diesen Kindern werden.“ (Scheugenpflug 1959, S. 15)

Obwohl der Pächter Oberempt – der als Kind in der Baumwollspinnerei in Cromford bei Ratingen gearbeitet hatte und dort die fabrikeigene Abendschule besucht hatte – in der Fabrik in Klespe eine Schule einrichtete, kam seine Spinnerei nicht richtig auf die Beine. Auch die Familie Lob, der immer noch die Spinnerei gehörte, konnte das Blatt nicht mehr wenden. Die Fabrik schloß für immer und wurde später abgerissen.