Ein Keller in Morrisonville

Abschnitt 7

Morrisonville
August 1949

Mittlerweile waren auch Ellsbergs Gehilfen Bunk und Ray aus Morrisonville zum Sägewerk gekommen …

Als Kober nicht wieder kam, stieg ich selber nach unten … – hinab in die Höhle … Ich hätte ihn nicht allein darunter gehen lassen sollen …, mein Fehler … Ich fand ihn in einer Starre vor. Er war in Ekstase. Ihr wisst, was das bedeutet – sein Körper war mehr tot als lebendig. Er sah und hörte nichts. Selbst Schläge hätte er nicht gespürt. Seine Seele hatte seinen Körper vorübergehend verlassen …! Ich ahnte, was man mit ihm vorhatte: Seine Seele sollte in einen anderen Körper. DIES ist deren Methode … Wäre es dazu gekommen, wäre Max Kober für uns (!) verloren gewesen … Ich hoffte inständig, dass ich nicht zu spät gekommen war! … Ich hatte aber Glück, mein Versuch ihn aus der Ekstase zu holen gelang … Ich ließ ihn von Bunk ins Versteck nach Morrisonville bringen und begab mich wieder in die Höhle! … Ich wollte dort mit Kristina Haybach sprechen, Feinhals‘ besonders begabte Mystikerin.

In einen grottigen Keller in Morrisonville befand sich der fast leblose, blutüberströmte Körper von Thomas Hünighusen!

DA lag Thomas in einem undefinierbaren Zustand, vielleicht war er da auch schon tot … Bei ihm standen zwei Männer, seine Folterknechte  … Bunk und Stephen … Schläger die Robert Ellsberg angeheuert hatte … Und denen stand Kober nun gegenüber. Das Corvfarin  in ihm wirkte noch … Er halluzinierte. So sah er Ida Tiemann zwischen den Männern stehen … Mit blutbeschmierten Haaren und Dreck im Gesicht.  Sie schaute ihn böse an. … In der rechten Hand hielt sie einen Stein, von dem Blut tropfte. Von hinten kam Edmund Mertzbach, in der rechten Hand einen verdreckten Fußball, in der linken Hand einen matschigen Kohlkopf … Auch er schaute Kober verärgert an! … Wie damals als sie Fußball spielten und der Ball in Mertzbachs Garten flog! … Dann schleuderte Mertzbachs Trugbild den Ball in Kobers Richtung! … Kober, der vom Ball nicht im Gesicht getroffen werden wollte, köpfte den Ball weg und stürzte nun auf die Männer zu.

Die werden ihn ja für ziemlich bescheuert gehalten haben. So wie der durch den Raum sprang, hinter einem imaginären Ball her …

Er traf natürlich nicht den Ball, sondern den Kopf des einen Bewachers … Noch unter dem Einfluss von Corvfarin, tat ihm der Kopfstoß wohl weniger weh. Er stand jedenfalls gleich wieder auf und kämpfte weiter.

Wobei alles so blitzschnell durcheinander ging, dass man gar nicht wusste, ob er immer noch hinter dem Ball her war und sich auf dem Fußballfeld im Dorf wähnte oder ob er sich nun mit den Männern schlagen wollte.

Als Mertzbach dann auch noch den Kohlkopf nach ihm warf, wich Kober dem „Geschoss“ geschickt aus, ließ dabei den auf ihn zustürmenden, zweiten Bewacher ins Leere laufen und gab dem Kerl auch noch einen harten Stoß ins Kreuz. Der krachte auf den Boden und Kober konnte ihn bezwingen …

Thomas sprach (!) plötzlich zu Kober … In der Ecke stand Mertzbach, den Fußball unter dem rechten Arm, an der linken Hand hielt er die kleine Ida … Sie hörten zu …

Thomas sah – wie gesagt – furchtbar aus , er hatte dicke Schrammen im Gesicht, geronnenes Blut auf der Stirn und den Wangen, einige Zähne eingeschlagen, den Kiefer gebrochen. Kobers Gedanken waren zwiespältig … Einerseits lag da vor ihm ein alter Freund, andererseits der mutmaßliche Mörder seiner Freundin Ida … „Ihr …“, röchelte Thomas. „Ihr wart das nicht … Idas Tod … Weder Paul, noch du, Max …, auch nicht Vater.“ Er schaute in die Kellerecke. „Und schon gar nicht Herr Mertzbach … Herr Mertzbach war dem ALLEM auf der Spur. Ich … ich … wollte ES holen … Es war alles dort … Da kam Ida …“ „Wer hat sie umgebracht?“, wollte Kober wissen. „Es war ein Unfall … sie durfte nicht …“
“Was ist da passiert, Thomas? THOMAS? He?“ Aber Thomas Hünighusen lebte nicht mehr! … Schon seit einer Weile nicht mehr.