Die Ruine des Sägewerks

Und so kam es, dass ich zusammen mit Kober zu diesem Sägewerk fuhr …

Als wir es endlich gefunden hatten, war noch das schönste Wetter. Kaum auf dem Hof, zogen aber schon schwarze Wolken auf… Schlagartig wurde es tiefe Nacht. Innerhalb von Sekunden. Ein Unwetter überraschte uns. Wind fauchte furchteinflößend. Dicke Hagelkörner prasselten hinab und hinterließen Dellen im Blech meines Wagens. Äste brachen von den Bäumen ab. Ich wollte uns und den Wagen in Sicherheit bringen. Da war ein Schuppen. Aber der Wagen kam nicht vorwärts, die Räder drehten durch. Ich schrie: „Fahr, fahr, du Miststück“ … Obwohl wir bereits seit mehreren Minuten „fuhren“, standen wir immer noch haargenau auf derselben Stelle … Das Wohnhaus neben dem Sägewerk war nun allerdings hell erleuchtet. Hinter einem Fenster sahen wir eine Frau – sie lachte höhnisch. Irgendetwas hielt uns fest. Wir hatten zwar starken Gegenwind und uns flog ständig irgendetwas gegen den Wagen, aber trotzdem hätten wir längst beim Schuppen sein müssen. Ich versuchte dann nicht mehr zu steuern, es hatte gar keinen Sinn…, ließ uns einfach mit dem Wind treiben. Wir landeten schließlich auf einem Feld. Fast im Bayou.

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Als das Unwetter vorbei war, fuhren wir vorsichtig zurück zum Haus. Die Sonne brannte wieder. Die Pfützen auf dem Hof waren fast ausgetrocknet. Das Haus war unverschlossen und menschenleer. Die Frau war nicht zusehen. Und es sah auch nicht so aus, als hätte in den letzten Jahren dort ein Mensch gewohnt. Es hatte durchs Dach reingeregnet. Überall waren Pfützen im Haus. Keine Möbel. Nur Dreck, Staub, Spinnweben … Wir sahen uns die Umgebung des Hauses an. Auf dem Dach eines Nebengebäudes konnte ich auf einem verwitterten, handgemalten Schild die Worte „Cypress King“ entziffern. Dies war das gesuchte Sägewerk … Das Sägewerk war ebenfalls in einem miesen Zustand. Das Dach war eingestürzt. Die Anlagen zum Bayou verrostet, zusammen gebrochen oder abmontiert. Dem Gebäude gegenüber, direkt am Bayou, stand eine größere Hütte, die offensichtlich noch als Lagerraum genutzt wurde. Vor der Hütte hatte man Holzkisten und Holzfässer gestapelt. Einige von ihnen waren hinabgefallen und lagen zerbrochen auf dem Boden und versperrten so den Eingang. Wir warfen die kaputten Kisten und Fässer zur Seite … Als wir uns fast bis zur Tür durchgekämpft hatten, hielt Kober plötzlich eine Kiste mit einem Etikett in den Händen … Auf dem Etikett stand: „Corvfarin medi 1000 Tabletten 30 Milligramm. Chemische Fabrik Vogel & Niess KG, Rheinland“ … Sie müssen wissen, werte Mitglieder: Walter Niess war der Begleiter von Thomas, als er 1927 zu Carl Feinhals kam und dieser mit dem Mitgebrachten seine Experimente abschließen konnte. Ich vermute: Walter Niess hatte damals etwas von hier mitgenommen und lieferte es nun in synthetischer Form an Feinhals. Was passierte weiter? …

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Kober schaute sich noch die Fässer an. In diesen Fässern hatte man anscheinend ein Pulver transportiert: Nämlich unverarbeitetes Corvfarin! … Wir standen also vor der Hütte, in der 1927 die Feinhals‘ ihre Experimente machten! In der Hütte standen dann noch weitere Fässer und Kisten, so wie draußen, allerdings alle randvoll gefüllt mit Corvfarin! … Es gab auch allerlei Gerätschaften, Werkzeuge, Mörser und Stößel, Gläser mit Schläuchen dran, Reagenzgläser … Sie haben dort Corvfarin für ihre Zwecke weiterverarbeitet. Endlich hatte ich DAS gefunden, nach dem wir all die Jahre gesucht haben! … Meine Damen, meine Herren, Sie können sich vorstellen, wie ich mich freute! … Nach all den Jahren, dieser Fund! … Es fiel mir schwer meine Freude vor Kober zu verbergen. Im Boden der Hütte befand sich eine zweiflügelige Falltür. Für jeden direkt zu sehen. Sie war allerdings mit einem Vorhängeschloss gesichert … Wir zerschlugen es mit einer Eisenstange und Kober stieg in die Höhle. Ich sollte oben warten.