Die Bücher und Figuren von Volker Kutscher

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1995
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1998
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2007
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2009
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2010
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2012
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2014
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2016

Lesung „Lunapark“ mit Volker Kutscher am 20. März 2018
Jubilate-Forum, Lindlar

In der kurzen Einführung erwähnte Marlene Esser, sie ist seit langem die erste Vorsitzende des Fördervereins der Gemeindebücherei, dass Volker Kutscher zuletzt 2003 in Lindlar gelesen hat. Damals laß er aus seinem historischen Krimi „Der schwarze Jakobiner“. Kutscher erinnerte sich, damals hätte er noch bei der „Bergischen Landeszeitung“ in Wipperfürth gearbeitet, wo man die Lokalseiten für Wipperfürth und Lindlar schreibt. Der Wipperfürther Kutscher hatte quasi Heimspiel. Fragt sich, ob der Autor dies ebenso sah. Er verriet auch, dass er gar in Lindlar geboren wurde, weil man hier damals noch im Krankenhaus eine Geburtstation hatte, gewohnt hat er in Lindlar nicht.
Kutscher las nun den Prolog und ein halben Kapitel aus „Lunapark“. Hier im sechsten Fall wird ein SA-Mann ermordet. Auf dem Buch steht „Gereon Raths sechsten Fall“, aber, so sagte Kutscher, seit 1929 hätte Rath natürlich mehr als sechs Fälle bearbeitet, die hat der Autor aber nicht aufgeschrieben. Man könnte also sagen, die niedergeschriebenen Fälle, sind die Best-off-Fälle. In der Pause überlegte sich einige im Publikum ihre Fragen an den Autor, denn Kutscher wollte noch ein weinig aus einem Kapitel lesen und dann eine Fragerunde einläuten.
In diesem Kapitel erlebte man die kleine Familie Rath, Geroen, Charly und das Pflegekind Fritze im Privaten. Die drei diskutieren, ob Fritze weiterhin bei der HJ mitmachen soll. Fritze selber ist begeistert und hat bereits an einer Schnupperstunde teilgenommen. Charly ist strikt dagegen. Gereon ist es mehr oder weniger egal, soll er doch ruhig mitmachen, ist ja nichts anderes als bei den Pfadfindern.
Frage: zum Namen „Gereon Rath“. Kutscher meinte, er hätte sich damals überlegt, dass sein Protagonist ein Rheinländer sein sollte. Er sollte ein Aussenseiter in Berlin sein. Rheinländer und katholisch geprägt. Der Nachname Rath hätte nicht gereicht, um dies deutlich zu machen, Rath sei ja nicht unbedingt rheinisch. Dann hätte er Heiligennamen gedacht. Er erwähnte Severin, den er aber auch verwarf, weil man dann zu sehr an den gleichnamigen Hersteller von Küchenmaschinen denkt (Lacher). So wurde es dann Gereon. Ein Name der in Buchrezensionen oft falsch geschrieben würde („Gerion“). Gereon Rath ist neben oder sogar vor dem Heiligen Gereon von Köln, der bekannteste Namenträger.
Frage: Zur „Rath Recherche“. Kutscher sagte, für ihn seinen Bilder und Filme von damals wichtig. Die Sprache damals sei schon modern gewesen, so würde man denken bestimmte Schimpfwörter seinen erst in den 60er oder 70er Jahren entstanden, aber die hätte es auch schon damals gegeben. Er erwähnte in diesem Zusammenhang auch die Bücher von Hans Fallada. Wichtig seinen für ihn Zeitungen vor 1933, da würde er mitbekommen, wie die Leute damals getickt hätten. Er würde mehr recherchieren, als er für seine Geschichten brauchen würde, auch schon aus dem Grund, weil ihn die Sache, also die Geschichte der 20er-, 30er-Jahre, auch auch so interessieren würde.
Frage: Einfluss der TV-Serie zu seinem Buch. Dies sieht Kutscher sehr locker. Die machen ihr Ding, er seins. Er berichtete kurz wie es zur Serie gekommen war. Es gab bereits mehere Produktionsfirmen die sich die Rechte gesichert hätten, aber dann nie etwas produziert hätten, so ein historischer Stoff sei ja auch aufwendig zu drehen. Der Macher der TV-Serie Tom Tykwer wäre zu ihm gekommen, weil er eine Serie in den 20er Jahren drehen wollte, er hätte Interesse am „Der nasse Fisch“-Stoff gehabt, aber auch eigene Ideen mitgebracht.
Frage: Stand bei der Entwicklung von „Der nasse Fisch“ schon fest, wo es hin gehen sollte? Damals, sagte Kutscher, hätte er zunächst ein Expose geschrieben, in dem die Story gestanden hätte. Mit diesem hat er dann einen Verlag gesucht. Bis zum vierten Band hätte er zunächst immer einen Plot geschrieben und mit diesem die Geschichte geschrieben. Danach hätte er es ohne Plot versucht. Da es klappte, schrieb er auf diese Art weiter, auch wenn er sich dann manchmal verlaufen würde und Teile neuschreiben müsse.
Frage: In „Märzgefallene“ würde Rath von Elberfeld nach Bonn fahren. Hätte es ihn als („Wipperfürther“-) Autor nicht gereizt, Rath in Wipperfürth halten zu lassen. Kutschers Antwort: Nein. Das müsste schon in die Handlung passen.
Oft glitt Volker Kutscher von der Frage ab und plauderte aus seiner Werkstatt. So erfuhren wir, dass er noch am siebten Gereon Rath-Fall schreibt, der den Titel „Marlow“, nach der Figur Johann Marlow, haben wird (dazu auch dieses Interview [1]). Eigentlich hätte er die Serie auf acht Bücher angelegt, vier vor der Nazidiktatur, vier während. Nicht ganz neu ist, dass der Autor seine Reihe nun nicht 1936 enden lassen will, da das Jahr für ihn zu „positiv“ sei (mit der Olympiade in Berlin wollte sich das NS-Regime in ein gutes Licht stellen), sondern 1938. Es kommt also noch ein Buch hinzu (siehe auch hier [2]). Dieses Buch wird dann während der Reichsprogromnacht (9. November 1938) spielen. Als Verliererin der ganzen Reihe sieht er Charly Rath, durch die Verbote des Regimes, kann sie ihre beruflichen Wünsche nicht er füllen.

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Comic von Arne Jysch 2017
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2017

„Marlow“
2018?