Scott Frost: FBI-Agent Dale B. Cooper — Mein Leben, meine Aufzeichnungen

zwillcoopScott Frost: FBI-Agent Dale B. Cooper — Mein Leben, meine Aufzeichnungen (erschien 1991 bei der vgs Verlagsgesellschaft)

Dieses Buch wurde gleichzeitig zur Fernsehserie „Twin Peaks“ veröffentlicht. In der Serie spricht FBI-Specialagent Dale B. Cooper häufig in sein kleines Diktiergerät. Die Aufnahmen sind für die Bundesbedienstete Diane bestimmt (von der weder Cooper noch die Leser je den Nachnamen erfahren), daher fangen diese Aufnahmen oft mit „Diane“ an, z.B. „Diane, ich schaue gerade auf eine kleine gelbe Decke mit einem Elefantenmuster. Sie liegt auf dem Boden  vor dem Fenster, durch das die achtjährige Chris Roe aus ihrem Elternhaus entführt worden ist …“ (Cooper, 10. Januar 1978, 13 Uhr; S. 145) Das neue Diktiergerät bekam Cooper von seinem Vater am 11. Dezember 1977 zur Abschlussfeier seiner FBI-Ausbildung, so dass man davon ausgehen kann, das Cooper Diane erstmals am 10.01.1977 ansprach. Über 10 Jahre später, im Februar 1989, fährt Cooper nach Twin Peaks. Auf der Fahrt dorthin spricht er auf Band: „Im Staat Washington ist eine Leiche gefunden worden. Eine junge Frau, in Plastikfolie verpackt. Ich bin auf dem Weg in eine Kleinstadt namens Twin Peaks.“ (Cooper, 24. Februar 1989, 6Uhr; S. 221) Mit einem ähnlichen Fall, so erfährt man aus dem Buch, war Cooper bereits im Januar 1988 beschäftigt (Mordfall Banks, Leiche in Plastiksack, Papierstück mit dem Buchstaben T drauf unter einem Fingernagel), er glaubt an einen Serienverbrecher.

Cooper bekam sein erstes Tonbandgerät am 25. Dezember 1967 als Weihnachtsgeschenk. Er war 13 Jahre alt, wohnte mit seinen Eltern in Philadelphia, war 1,60 Meter groß und hatte dunkles Haar. Der Leser durchlebt Coopers Collegezeit in Haverford und die Zeit auf der FBI-Akademie in Quantico, Virginia. Man erfährt, dass ein gewisser Windom Earle ab April 1978 die FBI-Aussenstelle Pittsburgh leitete, wo auch Dale Cooper angestellt war. Jener Windom Earle wird im Sommer unter seltsamen Umständen entführt, nach seiner Freilassung kann nicht festgestellt werden, wer die Entführer waren. Im Januar 1979 wird Windoms Frau Caroline entführt, taucht erst im April wieder auf, wird von Cooper bewacht, der sich in Caroline verliebt. Caroline wird umgebracht, Cooper schwer verletzt und Windom wird verrückt. In der TV-Serie spielt Windom Earl in der zweiten Hälfte der zweiten Staffel eine wichtige Rolle, daher ist die Vorgeschichte im Buch ganz interessant. Aufschlussreich ist auch Coopers Kurzurlaub auf einer kleinen Insel. Dort haben Windom und Caroline ihre Flitterwochen verbracht. Ein alter Mann hat Windom dort alles über Schach beigebracht. Nachdem Cooper den Alten besucht hat, bringt dieser sich um, er hinterlässt einen Zettel mit den Worten: „Verzeihung. Ich war nur ein dummer alter Mann. Möge Gott ihn aufhalten.“ (S. 161) Mit „ihn“, so denke ich, ist Windom gemeint. Wo Cooper war bleibt vage, er erwähnt eine „kleine Insel südlich der Grenze“, wohnt dort in einem Haus mit dem Namen „La Casa del Corazon“, welches so geheimnisvoll ist, dass selbst Google zusammen mit den Suchwörtern „Twin Peaks“ nur einen Treffer bringt (vgl. „Full of Secrets: Critical Approaches to Twin Peaks“ von David Lavery, 1995).

Neben diesem Buch erschien damals „Das geheime Tagebuch der Laura Palmer“, der Toten in Twin Peaks im Februar 1989.

Mehr zu „Twin Peaks“ auf bookattack:
Mark Frost: Die geheime Geschichte von Twin Peaks
Jennifer Lynch: Das geheime Tagebuch der Laura Palmer