Angelika Felenda: Der eiserne Sommer

afelenAngelika Felenda: Der eiserne Sommer (erschien 2014 bei Suhrkamp; 2016 als Taschenbuch ebd.)

Ort der Handlung: München
Zeit: 1914

Geschildert wird die Aufklärung von zwei Morden durch den Kommissär Sebastian Reitmeier (Kommissär, weil in München die vom französischen commissaire abgeleitete Bezeichnung üblich ist). Neben der Ermittlung ist auch das Privatleben von Reitmeier Teil der Handlung. So lernen wird die Freunde Sepp, Lukas und Caroline kennen. Da der Bruder der beiden letztgenannten, Franz, mit im Fall verstrickt ist, vermischt sich die Ermittlung und das Private. Zudem Caroline als Ärztin auch aushilfsweise in der Gerichtsmedizin arbeitet. Lange zieht sich die Ermittlung etwas träge dahin, da Reitmeier nicht so ermitteln darf wie er eigentlich will, er wird von seinen Vorgesetzten ausgebremst. Das klingt jetzt nach Schema F, wo es der Polizeipräsident einfach haben will, hier kommt es meiner Meinung nach aber überzeugend rüber. Spannend wird es, als der Polizeischüler Korbinian Rattler nach Sherlock Holmes-Manier auf eigene Faust ermittelt. Das endet zwar letztendlich in einem Fiasko, Rattler landet im Krankenhaus, zeigt aber, dass in zukünftigen Fällen mit der Anwendung von damals innovativen Ermittlungsmethoden zu rechnen ist.
Wie man es von ähnlichen historischen Krimis (z.B. der Reihe von Volker Kutscher) kennt, spielen die politischen Umstände eine wichtige Rolle. Der österreichische Thronfolger wurde ermordert, nun droht Krieg. Die damalige Macht des Militärs wirkt weit in den Fall hinein. Ohne das Angelika Felenda hier eine kleine Geschichtsstunde einbaut, wirkt die Beschreibung authentisch.
Die Autorin wendet zur Erzeugung von Spannung als Stilmittel der „Gesprächspartner ist nicht da“ an, d.h. Reitmeier versucht jemanden, von dem er sich wichtige Informationen erhofft, telefonisch zu erreichen, doch dieser ist unterwegs oder erst nach dem Wochenende wieder zu erreichen. So bleibt die Spannung bezüglich dieser Information noch erhalten. Wobei Reitmeier eigentlich niemanden erreicht.
Die Fortsetzung ist unter dem Titel „Wintergewitter“ erschienen und spielt im Jahr 1920.