Raymond Chandler: Die Tote im See

chan001Raymond Chandler „Die Tote im See“ (erschien im Original 1943 unter dem Titel „The Lady in the Lake“; diese Ausgabe 1976 bei Diogenes Verlag, Zürich)

Ort der Handlung: Los Angeles und Umgebung (Kalifornien/USA)

Coverzeichnung: Tomi Ungerer

Chandlers Ermittler Philip Marlowe ist ein „Privater“, also ein Privatdetektiv. Er hat ein Büro in Los Angeles. Als Privater hat Marlowe oft Kontakt zu einheimischen Polizisten, Typen die ihn nicht für voll nehmen und die von Marlowe stets auf die Schippe genommen werden. Ein kleine Kostprobe? Marlowe hat für seinen Auftraggeber einen Mr. Lavery im Badeort Bay City befragt. Er bleibt nach der Befragung mit sein Wagen noch etwas in der Einfahrt stehen, was dem Nachbarn gegenüber verdächtigt vor kommt und die Polizei ruft. Lieutenant Demargos erster Auftritt:

„Demargo, Lieutenant der Kripo“, sagte er mit seiner schweren brutalen Stimme.
„Sehr erfreut Lieutenant.“
„Sparen Sie sich das. Erzählen Sie mir jetzt lieber, warum Sie Dr. Almores Grundstück belauern.“
„Ich belauere Almores Grundstück nicht, wie Sie das nennen, Lieutenant. Ich habe noch nie von Dr. Almore gehört, und ich kann mir keinen Grund denken, warum ich sein Haus belauern sollte.“
Er drehte seinen Kopf weg, um auszuspucken. Heute war der Tag, wo ich die Knaben traf, die es mit dem Spucken hatten.
„Womit machen Sie denn dann Ihren Schnitt? Wir können keine Schlüssellochspanner hier gebrauchen. Wir haben keinen einzigen in der Stadt.“
„Ist das wahr?“ (Seite 33)

Der erste Eindruck von Lieutenant Demargo ist nicht sonderlich gut. Marlowe ist den Polizisten immer überlegen, auch weil diese kaum über den Tellerrand ihres Bezirks hinausschauen. Als Privater ist Marlowe nicht an eine Abteilung oder einen Bezirk gebunden, er hat seinen Auftrag.

Marlowe hat einen trockenen Humor. Nachdem er beispielsweise die zweite Leiche entdeckt hat und die Polizei zunächst nicht informieren will:

Niemand schrie und stürzte aus der Tür. Keiner pfiff auf einer Polizeipfeife. Alles war still, sonnig und friedlich. Offenbar gab es keinen Grund zur Aufregung. Da war ja nur der Marlowe, der eine weitere Leiche gefunden hatte. Allmählich kann er das schon ganz gut. Pro-Tag-ein-Mord-Marlowe, so könnte man ihn nennen. Und am besten wär’s, man schickte ihm den Leichenwagen hinterher, wenn er seinem Beruf nachgeht.
Ein netter Kerl, fast genial auf seine Art.
Ich ging zurück bis zu Kreuzung, stieg in meinen Wagen, startete, setzte kurz zurück und fuhr weg. (Seite 122)