Leon Sachs: Falsche Haut (Lesung: Crime Cologne, 27.09.2016)

FalscheHaut
FalscheHautEin Bestattungsinstitut ist ein ungewöhnlicher Ort für eine Krimilesung. Ist es doch ein Ort wo man seine Angehörigen, Verwandte oder Freunde betrauert. Krimiliteratur hingegen sorgt dafür, dass es weitere Tote gibt. Wenn auch nur fiktionale Tote. Es wird dafür gesorgt, dass noch mehr getrauert wird. Aber vielleicht haben genau diese Toten und die Trauer Anteil am Erfolg des Krimigenres. Man ist entsetzt über den Mord, trauert und will das der Täter gefunden wird. Das Bestattungsinstitut Pütz-Roth in Bergisch Gladbach bei Köln hebt sich zudem ein ganzes Stück vom normalen Bestattungsinstitut ab. Im Wald gelegen, mit einem eigenen Friedwald, mit einem Pfad der Sehnsucht zur Trauerbewältigung oder Seminaren zum Thema Trauer.

Hier las der Autor Leon Sachs im Rahmen der fünften CRIME COLOGNE aus seinem Debütroman „Falsche Haut“. Im Vorgespräch mit David Roth sagte Leon Sachs, er sei unter seinem richtigen Namen Marc Merten als Sportjournalist tätig, Leon Sachs sei sein Pseudonym als Krimi- bzw. Thriller-Autor. Er will die Tätigkeiten als Journalist und Buchautor klar trennen. So gibt es auch bei Google keine Vermischung. Er hat in Fribourg (Schweiz) Medien- und Kommunikationswissenschaft studiert und postgradual im nordenglischen Durham Theologie und Religion (Middle Eastern Cultures and Judaism). Später erwähnt er, das sein zweiter Vorname Leon sei und sein Großvater Leo Sachs war. Seinen Großeltern Vella und Leo Sachs hat er dann auch dieses Buch gewidmet.

Mitte der 90er Jahre sprach der Autor mit seiner Großmutter über ihr Schicksal als polnische Jüdin während der Nazidiktatur. Noch in Osteuropa traf sie zu Kriegsende eine Gruppe jüdischer Männer, die nach Westdeutschland wollten, sie schloss sich ihnen an. Einer der Männer war Leo Sachs. Gemeinsam gingen sie nach Köln, wo Leo Sachs ab 1946 ein Vertreter der Synagogen-Gemeinde wurde. Diese Berichte beschäftigen Leon Sachs so sehr, dass er beschloss einen Roman über diese Thematik zu schreiben. Ein Thriller, da er sehr viele Thriller lesen würde — keinen Liebesroman, denn davon hätte er keine Ahnung. Die Idee zum Buch hat er Jahre lang mit sich herum getragen, aber erst 2012 mit dem Schreiben angefangen und das Manuskript im Herbst 2013 fertig gestellt. Dann begann der Hürdenlauf, wie er es nannte: Literaturagentur, Verlag, Lektorat. Schließlich erschien das Buch im Frühjahr 2016 beim Regionalkrimipionier Emons in Köln.

Ein wenig las Leon Sachs dann auch aus seinem Buch. Nicht soviel, so dass den Zuhörern nur wenig verraten wurde. Allerdings kam so allerdings von der Spannung des Buches kaum etwas rüber (ich muss dazu sagen, ich bin gerade dabei das Buch zu lesen). Im Buch geht es Schlag auf Schlag. Da sitzt niemand herum und überlegt lange über die vorhandenen Indizien – es geht immer flott weiter, von Fribourg nach Paris, von dort nach Strasbourg, bis man schließlich in Bordeaux landet. Dies in einer Lesung rüber zu bringen, ist schon eine Kunst.

Es gibt zwar auch einen ermittelnden Kriminalbeamten – den Richter Pascal Bernard, der taucht aber erst ab dem zweiten Teil, der auf Seite 110 anfängt, auf –, die eigentlichen „Ermittler“ sind aber der Geschichtsprofessor Alex Kauffmann, der in Fribourg wohnt, und die Pariser Architektin Natalie Villeneuve. Die beiden sind gemeinsam in einem Waisenhaus aufgewachsen. Mit neun Jahren wird Natalie vom Ehepaar Régis und Suzanne Villeneuve adoptiert und lebt fortan in Paris. Alex zieht zu seinen Adoptiveltern in die Schweiz. Natalie und Alex bleiben in Kontakt und beide fühlen sich beim anderen als der Familie zugehörig. Die Handlung setzt ein, als Régis Villeneuve neunzigjährig stirbt. Seine Frau hat in seinem Schreibtisch einen Brief gefunden, Régis wurde erpresst. Es wird angenommen, das Régis etwas gewusst hatte, von dem seine Gegner wollten, dass es geheim bleibt. Diese drohen, dass Régis nichts verraten solle, ansonsten „sei Natalie ihres Lebens nicht mehr sicher.“ Nun machen sich Natalie und Alex auf die Suche nach der Begebenheit und den Erpressern, die, soviel kann ich verraten, ziemlich mächtige Schurken sind. Bei der Recherche müssen sie zurück ins Jahr 1944, als Régis und sein Freund Jacob Hinault in der Résistance waren. Langsam reimen sich Natalie und Alex mit der Hilfe von Pastor Thomas und Alex Kollegen Professor Hugo von Arx, zusammen, was passiert sein könnte. Sie kämen der Lösung schnell nahe, wäre da nicht der ominöse Kanzler und sein Sohn Raoul, der sie beschattet.

In der abschließenden Fragerunde, sagte Leon Sachs, dass er an einem zweiten Manuskript arbeiten würde. Diese Geschichte wird in London spielen. Geplant ist, dass es für diese Geschichte auch Fortsetzungen geben soll, was für „Falsche Haut“ nicht geplant sei. Ob dann erneut bei Emons, wird sich zeigen, der Augenkontakt zwischen Leon Sachs und der Emons Geschäftsleitung in der letzten Stuhlreihe wirkte jedenfalls vielversprechend.

Link: www.crime-cologne.com